"BEIM EINZELSPORT MÜSSEN AKTIVE UND TRAINER EINANDER NOCH MEHR VERTRAUEN"
++ Neuer Beitrag in unserer losen Reihe "Trainer vorgestellt": Rüdiger Hohenberg boxte einst um die DDR-Meisterschaft, gewann 1972 Silber bei den Junioren / Im Januar 2018 war er Gründungsmitglied unserer Box-Abteilung, die er heute als Chefcoach anführt ++
Das Seilquadrat bestimmt sein Leben: Rüdiger Hohenberg liebt das Boxen. Und das schon seit 54 Jahren. Als Achtjähriger hat er einst in seiner Geburtsstadt bei Dynamo Wismar mit dem Faustkampf begonnen. Sein erster Trainer war Fiete von Thien. "Vorher hatte ich verschiedene Sportarten ausprobiert, beim Boxen allerdings blieb ich hängen. Die Mischung aus Technik und Athletik, das Auf-sich-allein-gestellt-sein haben mich gefesselt. Im Ring bist du mehr oder weniger auf dich allein gestellt, da kann dir lediglich dein Trainer mit guten Anweisungen helfen. Dazu braucht es mehr Vertrauen zwischen Aktivem und Coach als in Mannschaftssportarten", meint Rüdiger Hohenberg.
Der 62-Jährige fand nach einer Auszeit mehr oder minder durch Zufall im Januar 2018 den Weg zurück in den Vereinssport, der ihn jahrzehntelang geprägt hatte. "Ich hatte im Hansecenter Bentwisch ein Plakat gesehen, auf dem für die neue Box-Abteilung beim FSV Bentwisch geworben wurde. So fand ich den Weg zum Verein", erzählt Rüdiger Hohenberg. Er wurde Gründungsmitglied der Sparte, agierte zunächst als Co-Trainer. "Anfangs ging es ums Fitness-Boxen. Allerdings merkten wir schnell, dass wir einige Talente in unseren Reihen hatten. Also fragten wir nach und meldeten sie für Schul- und später Landesmeisterschaften an." Mit Erfolg. Mehrere Titel holten die Bentwischer Faustkämpferinnen und -kämpfer in unsere Gemeinde. Marta Krause überzeugte so sehr, dass sie ans Sportgymnasium nach Schwerin und bei überregionalen Wettbewerben antreten sollte. Doch dann kam Corona.
Zweimal die Woche bietet Rüdiger Hohenberg für unsere Aktiven Box-Training an. Vom Anfänger bis zum ehrgeizigen Wettkampfstarter, von Jung bis Alt - jeder kann dabei sein. "Wir teilen die Gruppen dann nach Leistungsstärke und Interesse ein", sagt der C-Lizenz-Trainer, der seit Dezember 2019 als Chefcoach unserer Breitensport-Abteilung agiert. Unterstützt wird er von Co-Trainer Rüdiger Rasche, Abteilungsleiter Dirk Krause und Kampfrichterin Sandra Kroll. Unser Profi-Boxer Felix Langberg hat sein eigenes Trainer- und Betreuerteam. Das wird durch die Boxverbände vorgegeben.
Erfahrung im Leistungssport hat allerdings auch Rüdiger Hohenberg. Nachdem er Kreis- und Bezirksmeister geworden war, sichteten ihn Talentspäher für die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Berlin. Dort trainierte er von 1972 bis 1975 und kämpfte 1972 als Junior sogar bei den DDR-Meisterschaften. Dort unterlag er erst im Finale und gewann Silber. Nach drei Jahren zog es ihn zurück nach Wismar.
Während der Armeezeit machte Rüdiger Hohenberg seine Trainerscheine, beendete 1980 seine Aktiven-Karriere und blieb als Trainer bei der ASG Rostock, wo er heimisch wurde. Gemeinsam mit Ehefrau Sibylle zog er hier seine beiden mittlerweile erwachsenen Kinder groß. Rüdiger Hohenberg studierte Maschinenbau und Pädagogik und arbeitete viele Jahre als Berufsschullehrer in Rostock. Die Arbeit mit jungen Menschen bereitet dem vierfachen Opa viel Freude.
Deshalb reizte ihn die Rückkehr ins Trainergeschäft. "Beim FSV Bentwisch schätze ich besonders den Zusammenhalt. Es herrscht ein guter Umgangston unter uns Boxern und den anderen Abteilungen. Wir unternehmen auch neben dem Sport viel gemeinsam", erzählt Rüdiger Hohenberg. Für ihn war es eine Herausforderung, erstmals mit Mädchen zu trainieren. "Zu DDR-Zeiten durften Mädchen gar nicht boxen." Sie hinterfragen mehr, sind kritischer. Allerdings zählen sie bei uns auch zu den ehrgeizigsten und talentiertesten Aktiven", betont der Trainer.